Freitag, 18. März 2011

Die letzten Tage

Hallo zusammen,

also, was ist so die letzten Tage passiert, ausser das ich mal wieder in Deutschland war?
Die Tage können auch sehr stressig werden stelle ich mehr und mehr fest, was ich aber erwartet habe. Ich werde mich so schnell nicht körperlich anstrengen müssen, dazu besteht irgendwie nie ein Grund, aber da mein Englisch weit davon entfernt ist, perfekt oder sehr gut zu sein, muss ich mich die vollen zwölf Stunden konzentrieren. Das ist anstrengend. Irgendwie hatte ich das Gefühl, das es letztes Jahr bei Harley Street einfacher war für meinen Kopp. Aber ein positives hat es, mein englisch wird "a bit better every day " (-;

Mir sind es eindeutig zu wenige Hämatologische Patienten hier, sprich, Patienten die eine blutbildene Erkrankung haben wie akute Leukämien. Es ist zwar sehr gut, ein breites Spektrum kennen zu lernen und es ist auch das was ich wollte, mich weiter zu entwickeln was ich hier einwandfrei tun kann, aber speziell im Hämatologischen Bereich werde ich so schnell nichts neues Lernen hier.
Die Onkologische Station auf der ich arbeite behandelt so zu sagen alles was in die Onko-Kiste gehört:
-Brustkrebs
-Leukämien, NHL, HL, unklare Anämien
-Darm CA
-Ösophagus CA
-Hodenkrebs
-wirklich alles was in den Bereich Tumor/ Krebs/ Onkologie fällt

Die Versorgung der Patienten ist einwandfrei, von der ärztlich, von der pflegerischen und von der physiotherapeutischen Seite aus. Die privaten Krankenhäuser bieten die beste pflegerische Versorgung der Patienten die man sich nur Vorstellen kann. Ich bin zum Glück aber auch froh, das festgehalten ist, das man sich als Pflegekraft nicht wie ein Arsch behandeln lassen muss. Das kann ab und zu mal mal passieren, wenn "Spezielle" Patienten denken sie wären wirklich ein König. Dann wird denen zum Glück gesagt dass das Personal da ist um zu helfen und zu arbeiten, aber keine persönlichen Sklaven sind.
Von der medizinischen Seite aus, werden soweit ich weiss, alle Patienten in England gleich behandelt. Wenn ein Patient in einem NHS Krankenhaus mit einer onkologischen Erkrankung liegt, wird dieser mit den selben medizinischen Standarts versorgt, wie ein Privatpatient bei uns.

Was finde ich speziell an der Privat Klinik an der ich arbeite gut?

-Ich mag die zwölf Stunden Schichten. Dadurch kann ich mir einamal im Monat 5 Tage frei am Stück wünschen ohne Urlaub nehmen zu müssen und arbeite dann trotzdem nie mehr 3 Tage am Stück, höchstens mal vier Tage freiwillig um am 4. Tag einen dicken Bonus zu kassieren (was sich WIRKLICH lohnt!!).

-Pausen; da ich 12h arbeite, achtet die Nurse in Charge und alle anderen Erfahrenen Mitarbeiter darauf, das die neuen lernen, Ihre Pausen zu nehmen. Später achtet man da nicht mehr so darauf, aber man wird dazu gebracht, einfach die Pause zu nehmen. Wihtigste arbeiten erledigen, dann kurze Übergabe an die Kollegen und ab in die Pause. Und davon gibt es drei: Breakfast, Lunch und Dinner. Nett!

-Die Anzahl der Patienten. Für mich, der nicht sehr gut oder perfekt Englisch spricht, fange ich nach 1-2 Wochen mit einem Patienten an, zwei Tage später mit 2 und nach einer Woche dann mit meinen "vollen drei" Patienten. Für mich war das eine totale Unterforderung, da ich nichts machen durfte. Und damit meine ich NICHTS. Keine Infusionen oder sonstige I.V. Gaben, keine Chemo Tabletten geben, keine Chemos aus der Zytostatika Abteilung abholen, keine Verbandswechsel, keine Blutprodukte abholen, vorbereiten oder verabreichen. Nur einfach Tabletten aus dem Medis Schrank durfte ich nach 2 Wochen Einarbeitung selbstständig verabreichen.

-Die Induktion Days: Das sind bei dem privaten Krankenhaus hier, spezielle Einführungstage, die mich dazu befähigen, I.V. Sachen (Infusionen, Antibiotika, usw) anzuhängen, Umgang mit medizinischen Geräten, Blutprodukte, Crash Trolley (Notfallwagen) und andere Gegebenheite der Klinik.

-Das Team, es erinnert mich an die Ebene 16 der Uniklinik Köln (die ich übrigends auch sehr vermisse!! Danke euch nochmals Ebene 16! Es war eine wirklich schöne Zeit mit euch!!).
Das Team ist sehr kompetent, freundlich, hält zusammen, man kann viel Spass haben auch wärend der Schicht und einem wird immer geholfen.

-Die Kompetenz mit der die Mitarbeiter Fortgebildet werden. Einige Healt-Care-Assistant haben weit mehr wissen als ich. Das hat mich erst sehr verwundert und mich (so dachte ich schlecht dargestellt). HCA sind sowas wie Pflegehelfer, die KEINE medizinische Ausbildung haben, sonder nur darin ausgebildet werden wie man lagert, wäscht, Betten macht und kleinere organisatorische Dinge auf Station. Aber diese Mitarbeiter können trotzdem an Fortbildungen teilnehmen (interne) was die auch meist tun und je nach Erfahrungsjahre haben die verdammt viel Ahnung nd bringen selbst mir oft was bei.

-Fortbildungen sind das A und O jeder Klinik und vor allem der Privaten Kliniken oder den Unikliniken in England. Denn die Privaten werben damit um private Selbstzahler und die großen Kliniken werben damit um Internationale Anerkennung.
Ohne den deutschen Schwestern und Pflegern auf den Schlips zu treten, aber vom Fachwissen über Chemotherapien und Abläufe der meisten Pläne, sowie Nebenwirkungen und Notfallbehandlung, können die meisten englischen Pflegekräfte aus dem Schlaf alles zitieren. Das liegt allerdings auch daran, um die deutsche Seite in Schutz zu nehmen, das nicht wie auf der Eb16 zwölf Ärzte (auf dem Papier) auf Station exestieren, sondern für eine Anzahl von dreißig Patienten dann vieleicht 2, maximal drei da sind. Die Pflege ist für die ganze medizinische Arbeit verantwortlich, was für mich als deutschen nicht von Anfang an ein Geschenk ist. Denn das bedeutet mich selbst Fortbilden, belesen und ordentlich aufpassen auf Arbeit.

Aber nicht alles was so schön sich anhört, ist auch immer schön! Das muss ich ehrlich dazu sagen. Zwar legen die Engländer höchsten Wert auf Sicherheit und Hygiene, aber manches macht auch null Sinn und was die Sicherheit angeht, ist vieles nur auch in Privat Kliniken zu machen.

Zum Beispiel werden alle Patienten die eine vesikante Therapie bekommen (das sind Therapien, die das Gewebe zerstören, sobald die Flüssigkeit nicht in die Vene, sondern in das Gewebe geht. Dies kann zu Amputationen führen), von einer Person (idR Pflegekraft nicht HCA) die ganze Zeit überwacht, mindestens aber in einem sehr kurzen Zeitabstand (alle 10min etwa). Ob das in einem NHS Hospital auch so ist wage ich zu bezweifeln.

Den Patienten wird hier manchmal viel zu viel Verantwortung abgenommen. Die dürfen für jeden Mist schellen, was überhaupt nicht sinnvoll ist zum Beispiel. Nicht weil ich keinen Bock habe für jeden Mist zu laufen (obwohl... doch ich habe was dagegen), sondern weil die Patienten hier definitiv zu wenig laufen und sich viel zu wenig bewegen. Das ist zum Glück im NHS Krankenhäusern wohl anders. Ein relativ Selbstständiger Patient wollte vor zwei Wochen das ich ihn füttere und die Zähne putze, dabei war der A) im Kopf fit und klar und B) hatte er keinen einzigen Schaden an seine Hände. Er sagte nur, dann würde er sich besser fühlen. Schwul war er auch nicht, also wollte er mich schonmal nicht anmachen. Aber so ist das manchmal mit Mega Privat Patienten.

Zu dem Thema Hygiene muss ich sagen, das ich hier in den 8 Wochen keine einzige ZVK, Port oder Viggo Infektion gesehen habe. Und das, obwohl ich nicht alle Hygienischen Maßnahmen verstehe. Bei jedem Verbandswechsel wird ein steriles Verbandssets benutzt (was irgendwie Schwachsinn und Geldverschwendung ist) aber dann nicht steril damit gearbeitet (in meinem deutsche Sinne jedenfalls net). Es werden mit den (zwar desinfizierten Findern) in das sterile Verbandsset hereingegriffen um noch Sachen aufzumachen, Ampullen die nicht steril verpackt sind werden auf das sterile Verbandsset geworfenn, mit den sterilen Handschuhen werden sehr oft Stellen des Ports/ ZVK`s berührt, die man hätte mal vorher desinfizieren sollte... komich sind die Engländer in dem Punkt.

Ach ja, was muss ich denn so machen die Tage... ich hatte immer drei Patienten und es war anstregend, da ich auf eigene Faust Patienten zu insgesamt zwei Port Implantationen in die Angio bringen musste und mich erst durch die verdammte Doku kämfen musste. Denn die Engländer stehen den deutschen in dem Thema Bürokratie in nichts nach. Ich würde sogar sagen die liegen weeeeit vor uns. EIn Hoch auf Deutschland. Denn ich muss in einem Prä-OP Plan den die Pflege auf Station ausfüllt, undgelogen, dreimal unterschreiben, dreimal auch meine Funktion angeben und alle Fragen gibt es in dem selben Bogen zweimal. Sehr viel an der ganzen Doku im ganzen Hause ist total NICHT-Sinnvoll!! In dem Punkt liebe Deutsche, ist es schöner in Kölle! Denn durch die massive Doku, ist es selbst für eingefleischte Engländer, schwierig, immer alles richtig zu machen, und wenn man mal was vergisst auszufüllen, kann das in 10 Jahren nochmal zum Verhängnis werden.

Der Tag gestern war mit Abstand der unschönste. Denn auch in England sterben Patienten und diese Nacht hat es (sehr wahrscheinlich) eine junge Patientin getroffen. Gestern so gegen Mittag sagte ein HCA Mitarbeiter zu mir ob ich mal ins Zimmer kommen könnte und da saß dann eine junge Patientin mit einer Brechschale in der Hand und beklagte sich über Massivste Schmerzen und Übelkeit und der Bauch war unnormal angeschwollen (Magen CA). Sie sah auch sehr "ungesund" aus also bin ich sofort ins Pflegebüro gegangen und habe das Meeting der Ärzte und der leitenden Pflegekräfte dreister weise unterbrochen und betont kommen zu müssen und eine Minute später hat die Patientin dann massiv Blut Erbrochen. Der Zustand wurde bis zu meinem Dienstende immer schlechter. Sie ist NFR, das heisst "not for resus" , also keine Reanimation mehr, aber trotzdem wurden noch mehrere Blutkonserven gegeben und vor allem starke Schmerzmittel und Beruhigungsmittel. Da die anwesende Mutter kein Englisch und Ausnahmsweise auch kein Arabisch konnte, musste ein spezieller Dolmetscher organisiert werden (war dann glaube ich eine Küchenkraft). Was es so hart machte war, das eigentlich Ihre Tochter mit dem Ehemann, der in der Heimat war um Sie abzuholen, heute kommen sollte damit Sie komplett nochmal als Familie vereint sind. Ich hoffe Sie hat es bis heute geschafft! Denn das war Ihr sehr wichtig.

Heute erhole ich mich von den zwei anstrengenden Diensten, die ungelogen auch mal Anstrengend waren.

Bis die Tage,
der
Dave

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